Borkenberge / Haltern am See
Dülmen / Lüdinghausen / Sythen / Haltern am See / Flugplatz Borkenberge

Borkenberge Verein

Aus den Borkenbergen wird uns gemeldet, dass die Nachricht über die Gründung des Borkenberge Vereins.....

Wer der alten Deutsche Sprache nicht so Mächtig ist..sollte google

 Die Borkenberge, humoristisch gesehen!

Von Bernhard Brinkmann, Seppenrade / Dülmen, Oktober 1938 / HB Nr. 10 / 14. Jahrgang
Übersetzter: Burkhard Lüning / Haltern am See / 2018
 

Vor 33 Jahren ( 1938 )sah es in den Borkenbergen anders aus als heute. Wo heute der Blick frei bis zum Horizont schweifen kann. Da begrenzten damals (wie heute 2018 ) weite Kiefernwälder den Blick. Auf den freien Heideflächen aber weideten Strumpftrickende Schäfer die großen Schafherden der umliegenden Bauern. Besonders bekannt war der Schäfer in der „Unterkauch“ am heutigen Segelfliegerlager. Er besaß das zweite Gesicht und weissagte, es werde ein großes Tier mit hell glühenden Augen noch einmal die Borkenberge durchrasen. Als die ersten Auto auf der neuen Straße durch die sonst so stille Heide sausten, das erinnerte man sich des Borgesichts des alten Schäfers.
Außer den Anliegern kannten nur wenige dieses entlegene Gebiet, fern allen Verkehrswegen. Das wurde doch anders, als rührige Bürger aus Dülmen, Seppenrade und Lüdinghausen den Borkenberge Verein gründeten. Er wollte diese Gebiet erschließen, also „Verkehrswerbung“ treiben, wir heute jagen und zwar Verkehrswerbung auf humoristischer Grundlage. Wie sehr ihm diese gelungen ist, das merkt man noch heute. Vom Borkenberge Verein (abgekürzt B. B. B.) spricht man heute noch weit und breit, trotzdem er längst wieder eingegangen ist. Seine Gründer waren Leute voll seligen Humors, waren würdige Seitenstücke zum Pros. Landois, ( Zoologieprofessor 1835–1905) der sich im Münsterschen Zoo selber das bekannte Denkmal setzte, Nebenbei bemerkt standen die Borkenberge bei diesem berühmten Münsterschen Professor „De isel Mott“ in besonders guten Andenken, fand man 1887 hier in der Bauernschaft Leversum das größte Ammonshorn der Welt. ( Pachydiscus Veramblus Seppenradensis ).
Die gutmütigen Borkenberger schenkten ihm nicht nur dieses Prachtstück für das Naturwissenschaftliche Museum im Münsterschen Zoo, sondern führten auch den schwierigen Transport nach Münster ohne jedes Entgelt aus. Der Bekannte Geologe Oskar Fraas, Stuttgart (geb. 1924, gest. 1897 ) sagte, dieser Riese unter den versteinerten Tintenfischen habe einen viel größeren Eindruck auf ihn gemacht als sogar die Pyramiden von Ägypten.
Dass die Führer des Borkenberge Vereins tatsächlich dem humorvollen Münsterschen Professor ernsthafte Konkurrenz machten geht aus ihren zahlreichen Veröffentlichungen hervor. Als Organ benutzten sie das „Lüdinghauser Wolfsblatt“ ( heute „Lüdinghauser Zeitung“). Das allerdings nur Mittwochs und Samstag erschien und darum vierteljährlich nur 1.50 DM kostete.
Die offizielle Gründung des Borkenberge Vereins erfolgte 1896, also vor über 122 (2018 ) Jahren!
Sie erfolgte hauptsächlich darum, um der traditionellen „Bierprozession“ von Lüdinghausen nach Seppenrade und weiter in die Borkenberge einen „idealeren“ Hintergrund zu geben. Erst später begann man sich auf Verkehrswerbung. Zur 10 jähriges Jubel Expedition im Jahre 1906 wurde sogar ein eigenes Liederheft herausgebracht. Eine Zeitungsnotiz aus der Gründerzeit lautete:

Borkenberge Verein.
„Aus den Borkenbergen wird uns gemeldet, dass die Nachricht über die Gründung des Borkenberge Vereins bis in die entlegensten Menschenleeren Gegenden gedrungen und überall mit Freunden begrüßt worden ist. Zugleich wird zum Zusendung der Statuten gebeten. Der Verein ist leider noch nicht in der Lage, die Satzungen veröffentlichen zu können. Es war in der Versammlung reichhaltiger Stoff zu bearbeiten, dass eine vollständige Bewältigung nicht möglich war. Das Statut wird mindestens 20 Paragraphen umfassen, und hat die Versammlung vorläufig mit § 11 geschossen. In dem Bericht über die Versammlung hat sich leider ein verhängnisvoller Druckfehler eingeschlichen. Bei den Vorträgen des Leiters der botanischen Sektion muss es nämlich statt „Rubus“ Brombeere heißen. Diese Frucht wird nämlich in einigen Gegenden „Rubus“ genannt, während sie anderswo zur Weinbereitung verwendet wird“.

Karten: Dülmener Archiv

Der Schalk guckt hier auf jeder Zeile, wie eine solche bereits ober erwähnte „Expedition in die Borkenberge“ verlief, möge folgender Bericht über die des Jahres 1898 zeigen.
Expedition 1898
„Braun ist das Land, grün ist der Rand, und weiß der Sand. Das sind die Farben vom Borkenbergeland.“ um Sonntag, den 26. Juni 1898 wurde die denkwürdige Fahrt des B. B. B. Beim schönsten Wetter in die Borkenberge unternommen. Auf bequemen, mit frischen Maibäumen verzierten Leiterwagen, welche je mit 4 kräftigen Pferden auf denen 2 mit Federbüschen dekorierte
Rosselenker saßen, bespannt waren, zog die fröhliche Forschergesellschaft unter munterem Scherz und Absingung von heiteren Liedern hinaus ins Gebirge, bei der Bewunderung der malerischen und romantischen Gegend und dem Genüssen der unvergleichliche Fernsicht die alltäglichen Sorgen vergessend.

„SCHORNSTEINRAUCH UND AKTENSTAUB SCHAFFEN TROCKNE KEHLEN, STRASSENLÄRM UND KONKURRENZ SOLLN UNS HEUT NICHT QUÄLEN. FROH ZIEHN WIR DURCH FELD UND FLUR.“

Unterwegs schossen sich mehrere auswärtige Sektionen dem Hauptzuge an, welcher zu einem imposanten Heerzüge anwuchs. Seit der Zeit der Römerzüge haben die Borkenberge derartiges nicht mehr gesehen. Alls die Degetation verschwand und die Berge für Wagen unpassierbar wurden, verließ man letztere und setzte die Reise zu Fuß fort. Auf einem von steilen Felsen eingeschlossenen Plateau, wo die äußerste Rettungsstation sich befindet, wurde Halt gemacht und alles sammelte sich um die Vereinsfahne. Die abgehaltene Heerschau ergab die Anwesenheit der Sektionen Seppenrade, Lüdinghausen, Münster, Haltern Hullern und Bocholt. Außerdem war ein Estanciero (Farmer) aus Paraguaná als Gast im Nationalkostüm erschienen. Vor der Schutzhütte viele hundert Meter über den Spiegel des Meeres, wurde unter Gottes freiem Himmel an langen Tischen Platz genommen und zunächst der reichliche Proviant: Bauernstuten, Schinken, Wurst, Altbier und alten Klaren einer eingehenden Forschung unterzogen. Der Herr Estanciero wunderte sich am meisten über die Butterbrote: „Die sind ja größer als ganz Paraguaná“, meinte er. Während dann der Präsident in einer wohldurchdachten Ansprache die Mitglieder und Gäste willkommen hieß und auf die Bedeutung und Aufgaben des Tages hinwies, wurde demselben ein Telegramm des nachbarlichen Baumbergevereins überbracht, welcher unserem B.B.B. Zu seiner Forschungsexpedition den besten Erfolg wünschte. Wie wir hören, ist der Sauerländische Gebirgsverein wegen der großartigen Erfolge des B.B.B. Und seines Anschlusses an den Baumberge Verein auf diese beiden aufblühenden Vereine eifersüchtig geworden und will sich zur Wiederherstellung gebirgsvereinlichen Gleichgewichts an den Eifel-Verein anschließen. Frisch auf denn! Wir fürchten keine Konkurrenz mehr. Auf einem antiken, der Borkenberger Holzschnitzkunst
alle Ehre machenden Tische hatte der Vizepräsident eine äußert interessante Privatsammlung Borkenberger Funde ausgestellt, Kunstsinnig und wissenschaftlich geordnet lagen da: Versteinerungen aus der Primär,- Sekundär,- und Tertiär Zeit, Stalagmiten und Stalaktiten, Kristalle, versteinerte Knochen vom Höhlenbär, Waffen, Geräte und Trinkgefäße aus der Kreidezeit.
Auch das in den Bockenbergen entdeckte versteinerte Riechorgan des berühmten Römers Publius Ovidius Naso ( Publius Ovidius Naso war ein antiker römischer Dichte ) befand sich bei den ausgestellten Gegenständen. Wie dasselbe in die Borkenberge gekommen ist, darüber sind die Gelehrten sich noch nicht einig. Alle diese Seltenheiten erfüllten jedes Forscher Herz mit Bewunderung und Freude. Wir wollen nicht unterlassen, dem bienen
eifrigen Sammler an dieser Stelle unsern Dank auszusprechen.
Als der Hunger und der Durst gestillt, wurde unter Führung des Vizepräsidenten die Umgegend genau durchforscht, die Reste der römischen Heerstraße, des noch ziemlich erhaltenen Kastells, der Limes Germanicus wurde besichtigt und ein römisches Lager entdeckt. Die hier an mehreren Stellen vorgenommenen Ausgrabungen brachten jedoch außer einer Hand voll römischer Münzen nichts zu Tage. Bei dieser Gelegenheit stellte unser Geologe fest, dass der Boden in einer Tiefe von 10 Fuß stark goldquarzhaltig wird. Wir bitten, diese Tatsache geheim zu halten, da sonst zu befürchten ist, dass sich ein Strom von Goldgräbern über die Borkenberge ergießt, welche durch Anlage von Claims das ganze Gebirge verderben.
Während dieser Zeit hatten zwei Gelehrte der botanischen Abteilung eine gefährliche Expedition in das Innere des Gebirges unternommen, von wo sie mittlerweile zurückgekehrt waren und berichteten, dass sie bis zum 53. Grad 2´ 10“ nördlicher Breite und 11. Grad 2´ 3“ östlicher Länge von Grenw. Vorgedrungen aber durch die Begegnung mit einem Höhlenbären zur Rückkehr gezwungen seinen. Wir werden uns erlauben, auf die Höhlenbären demnächst in diesen Blatte ( über dem Meeresspiegel steht und zum Gipfel )zurückzukommen. Der nördliche Gebirgsteil wird also vorläufig noch eine Terra Incognita ((lat. „unbekanntes Land“) bleiben.
Der Estanziero war unterdessen nicht müßig gewesen. Nach Indianermanier hatte derselbe an einem großen Feuer mehrere Stücke rohen Rindfleisches, welches an langen Stangen befestigt in drehender Bewegung über der Flamme gehalten wurde, gebraten. Während die Flammen emporschlugen, führte ein Teil der Gesellschaft unter Absingung des Liedes vom Pastor Sine Koh (Im Juni 2004 wurde die Bronzeskulptur Pastor sine Koh im Ortszentrum von Emsbüren aufgestellt ) um das Feuer herum einen indianischen Reigentanz auf.
Die Strophe: Gistern jprang s´noch de Mür, Bon Dage hängt all Für Trialla, trualla usw.
möge hier noch Erwähnung finden. Der Estanziero, dem das Lied gefiel, will dasselbe jenseits des großen Teiches bei seinen Indianern einführen, welche ihn dafür mit einem urkräftigen indianischen Ehrengeheul belohnen dürften.
Der dann portionsweise verteilte Braten mundete ausgezeichnet. All Anerkennung dem freundlichen Herrn aus Paraguan. Leider gestattet es der Raum nicht, die sich nun entwirkende ursidele Stimmung zu beschreiben, des schönen neuen Forscherliedes und des launigen poesievollen Wortrages des Seppenraders Dichters 2 zu gedenken.
Plötzlich ertönte der Schreckensruf: „Das Faß ist leer!“ Wie es sich herausstellte, hatten einige Eingeborene unser Abwesenheit zur Erforschung des Bierfasses benutzt und dabei den Inhalt ziemlich vermindert. In den Borkenbergen forscht eben alles heutzutage. Schwamm drüber!
Bald war die Gesellschaft wieder in Seppenrade angelangt, wo uns Herr Eismann mit Illumination ( (Beleuchtung) und Feuerwerk überraschte. Dann gings im Gänsemarsch nach Siepe, wo die Forschung noch einmal in intensiver Weise begonnen wurde. Hier steigerte sich bald die feuchtfröhliche Stimmung und immer höher schlugen die Wogen der Urfidelität ( Wie heißt es so schön: Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören, leider! Alle Anwesenden, trotz kleiner.) und geselligen Freude. Wer könnte sie zählen, die Toaste durch welche Freundschaft, Wissenschaft und Verdienst gefeiert wurden, die Lieder, die ertönten, die Lachsalven, die erdröhnten und die Gläser töstlichsten Altbiers, welche unser Vereinswirt uns fredenzte. Leider viel zu früh schlug die Stunde des Ausbruchs und man trennte sich endlich mit dem Bewusstsein, kaum jemals einen schöneren Tag erlebt zu haben. Möge er den Mitgliedern von nach und fern noch lange in Erinnerung bleiben und allen zur weiteren Hebung der Borkenberge ein Sporn sein. „Frisch auf!“
Begrüßung der Section aus Dülmen im Borkenberge Verein.
Borkenberge, den 5. März 1899.
Werte Berggenossen! Zum ersten Male seit Bestehen unserres Vereins sehen wir die Bewohner einer Grenzstadt unseres sagenumwobenen Gebietes der Borkenberge in größerer Anzahl in unserer Mitte. Ihnen ist schon ein erhebliches Licht über die Bedeutung unseres Vereins audgegangen, wollen sie doch als Section Dülmen uns in Luft und Leid begleiten ung Gutes und weniger Gutes mit uns teilen. Das diesen Herren aufgegangene Licht zur hellsten Flamme anzufachen und ihnen die Bedeutung unseres Vereins klarer wie Sonnenlicht zu machen, das soll das Ziel meiner Worte sein.
Meine Herren! Gehen Sie unsere Fahne! Nicht, wie schnöde Menschen, die unsere Ziele total verkennen, glauben, ist unser einziger Zweck, Leben in die Bude zu bringen und Biergefäße bis auf den Grund zu erproben. Nein- meine Herren, dies ist nicht unser Zweck, dies bedeutet nicht der auf der Seite liegende Krug unseres Wappens. Er mag im gewöhnlichen Leben immerhin einen „Bullenkopp“ ( Bullenkopp: 6,0 Liter; altes Biermaß aus dem münsterschen Raum ) vorstellen auf dem ein Sumpfhuhn schwankend steht, uns bedeutet er die immer frisch sprudelnde Quelle der Wissenschaft und der emporstrebende Vogen ist das Sinnbild unserer nur nach den höchsten Sphären ( Himmelsgewölben im Altertum ) der Wissenschaft langenden Bemühungen.
Diese wissenschaftlichen Leistungen finden ihren Höhepunkt in den von den Sectionen Lüdinghausen und Seppenrade gemeinschaftlich wissenschaftliche Abteilungen, deren Streben nachzuahmen ich Ihnen, meine Herren aus Dülmen, nicht nahe genug ans Herz legen kann.
Sie sehen hier Vertreter der zoologischen, der botanischen, der geschichtlichen, der kulturhistorischen, der gegographischen, der historisch-philologisch- philosophischen und nicht zum wenigsten Mitglieder der Kommission, die zum Zwecke eingehenden Quellenstudiums speziell eingesetzt sind.
Einige der staunenswerten Resultate der Forschung, wie ich mir dieselben in mehreren Zusammenkünften notiert habe, will ich Ihnen jetzt zum größeren Ruhm und zur größeren Verbreitung unseres Verein vorlegen.
Nehmen wir zunächst die höchst kritisch veranlagte Historisch-Philologisch-Philosophische Section. Eine ihrer ersten Aufgaben wares, den Namen unseres Gebietes sprachlich klarzulegen und seiner Entstehung nach nachzuweisen. Es hat dies zu lebhaften Debatten geführt. Einige glaubten, es hieße das Gebiet der Borkenberge, wiel die Berge ungefähr in der Mitte zwischen Bork und Borken liegen. Andere wieder, es seinen nur Hügel aus Sand, welche sich den Namen „Berge“ geborgt hätten. Wieder andere erwähnten als Sage über die Entstehung des Namens folgendes: Kurz nach Entstehungen unserer Berge sei ein Mitglied des vorsintflutlichen Billerbecker Gebirgsvereins auf den Gipfel des Coesfelder Berges gestiegen und habe dann staunend ob der riesigen bei uns entstandenen Berge seinen Begleitern zugerufen: „Ich bemorke Berge!“ nämlich wirklich Berge, daher der Name. Wieder andere glauben, in den Bergen das getreue Abbild der mit Moos und Strauchwerk bewachsenen zerrissenen Borke eines uralten knorrigen Eichbaumes zu entdecken. Endlich aber einigte man sich darauf, dass der Name nur andeute, ebenso wie der Verein, dass unter der Hülle (Borken) der Gegend, sich die köstlichsten Schätze bergen, vom dem edelsten, besten Streusand der Oberfläche, bis zum gediegenen Goldklumpen im Mittelpunkt der Erde.
Den Bestrebungen dieser Section schließt sich würdig an die Kulturgeschichtliche Section. Sie hat sich mit der Oberfläche der Borkenberge als Teil der gesamten Erbe und mit ihren Bewohnern und deren Entwicklung befaßt.- und, da es sich nur um Oberflächen handelt, auch alles so oberflächlich wie möglich behandelt. Meine Herren! Mittelpunkt unseres Gebietes und somit unserer ganzen Welt ist der Rauhe Berg. Steht man bei Tage auf ihm, so scheint die Sonne auf uns herab, während des Nachts Sterne auf uns blinken. Die Sonne ist, wie jeder, der nur einigermaßen gute Augen hat, auf den ersten Blick sieht, 20 Mill. Meilen von uns entfernt. Um die Strecke zu durchlaufen, braucht der schnellste Eilzug bekanntlich 3620 Jahre. Würden wir demnach jetzt aus diesem Eilzug hier auf Station „Schützhütte Tombrock“ aussteigen, dann hätte auf der Sonne das zweite Zeichen zur Abfahrt gerade in dem Augenblick gegeben werden müssen, als Abraham im Beriffe stand seinen Sohn Isaak zu opfern. Was die Sterne eigentlich für einen Zweck haben, ist uns, wie den meisten Menschen, gänzlich unklar; sie haben eigentlich jetzt gar keinen Zweck mehr. Früher wurden sie viel zu Sterndeutereien verwendet, und mit ihrer Hilfe wurden häufig, so z. B. Von Wallenstein, die schönsten Schlachten verloren. Die meisten Menschen in den Borkenbergen müssen außerordentlich lange waten, bis sie einen Stern bekommen. Daher soll auch nächstens hier eine Sternwarte gegründet werden. Das ist den meisten Leute schnuppe, daher wir denn auch nächstens Sternschnuppen zahlreich sehen werden.
Die Geographisch Section: Sie hat sich im Verein mit der vorigen bemüht, die genaue Lage der Borkenberge zu bestimmen. Zum Zwecke der Erleichterung einer solchen Ortsbestimmung ist die Erde augenblicklich noch mit Wendekreisen und Breitengraden überzogen. Diese sollen aber jetzt abgeschafft werden, weil sie der Schifffahrt gefährlich sind. Während der größte Teil der Borkenberge wasserlos ist, ist umgekehrt der größte Teil der Erde mit Wasser bedeckt, welches glücklicherweise nicht insgesamt trinkbar ist. Die Menschen benutzen diese Menge Wasser meistens zur Seekrankheit, doch können wie die hier nicht bekommen, da unser Sehkreis durch die Gebirge auf das geringste Maß eingeschränkt ist. Das gesamte Festland der Welt ist in 5 Weltteile einegeteilt, weil es so vielen Menschen gibt, die kaum bis 5 zählen können. Der wichtigste Erdteil ist Europa, welches, wie man kühn behaupten darf einen europäischen Ruf besitzt. Mitten in diesem Europa liegen nun unsere Borkenberge. Um weitesten von ihnen entfernt ist Spanien, wo meistens schlechter Wetter ist, da die schönen Tage von Aranjuez dort vorüber sind. Dann kommt Frankreich, welches mit den Pyrenäen an Spanien und mit Widerwillen an Deutschland grenzt. Ziemlich nahe liegt England, dessen Einwohnern, den Engländer, man meistens in der Schweiz begegnet. Ganz im Süden liegt Italien, das zur Aufbewahrung alter Bauten und Bildergalerien dient, sowie die Türkei, wo man die Schwiegermütter schon bei ihrer Geburt in den Bosporus wirft. Nördlich endlich Schweden und die beiden Länder, die den Grund angeben, aus dem manche Schöne geheiratet wird, nämlich Nor-wegen-Däne-Mark. Der nächste große Fluss der Borkenberge ist der Rhein. Dieser entspringt in Graubünden, bildet bei Schaffhausen gegen 2 Frcs. Eintritt den berühmten Reinfall, beschleunigt dann bei Säckingen aus Furcht vor dem bekannten Trompeter seinen Lauf und gelangt nach der beliebten Rheinreise in die Nordsee (Die Statue steht auf der Westseite des Schlosses und war ursprünglich ein Entwurf für das grössere Trompeterstandbild des Scheffeldenkmals am Münsterplatz ). Er wird mit Vorliebe zu Liedern und Quartetten verwandt, so dass er bei der Loreien selbst nicht mehr weiß. Was es bedeuten soll.
Die Geschichtlichen Section hat festgestellt, dass die ersten kriegstüchtigen Eindringlinge in unser Land die Römer waren. Deren Hauptstadt ist Rom in Italien, von Romulus und Remus erbaut. Die Stadt stecht heute noch, weil es zur Zeit ihrer Erbauung noch keine Baumeister gab. Die Römer trafen hier unsere Urborkenberger an, die anfangs sehr gemütlich waren, weil sie den Wein und damit auch noch nicht die „Römer“ kannten. Als sie aber beides eine Zeitlang erprobt hatten, hielten sie sich wieder an ihre Trinkhörner und warfen die Römer derart zum Lande hinaus, dass diese nicht nur höchst zahlreich ihr Leben, sondern sogar auch noch ihre Straßen verloren. Eine solche Straße ist von der Section wiedergefunden worden und gegen Eintrittsgeld zu besichtigen.
Nach den Römer kamen die Franken, wenn ihrer 20 zusammen waren, nannte man sie Napolen d, Dr. Zu gleicher Zeit zogen die Angeln aus der Nähe ab. Es ist hierbei wunderbar, dass sie unser Gebiet nicht mitgenommen haben; denn die verstanden das Angeln so gut, dass ihnen beinahe die halbe Welt an der Angel hängen blieb. Dann schweigt eine ganze Zeit lang die Geschichte. Columbus hatte Amerika entdeckt, indem der den Wendekreis des Krebses entlang gerudert war.
Bei einem solchen Dusel mussten die Borkenberge beinahe in Verschollenheit geraten. Es fing jedoch eine Menge eigentümlicher Druckwerte gefunden, die aus der ersten Zeit der Druckerei stammen. Die Buchdruckerzunft wurde nämlich zuerst folgendermaßen erfunden. Gutenberg hatte ein frisches Manuskript angefertigt und zum Trocknen auf den Stuhl gelegt. Sein Söhnchen setzte sich darauf und nun entdeckte Gutenberg auf der hellen Sommerhose den schönsten Abdruck. Bei einer solchen Methode können sie, meine Herren, sich die schwierige Entzifferung denken. Sie wird vielleicht noch Monate in Anspruch nehmen.
Die Zoologischen Section hat nach ihrer letzten Kraftleistung, und nachdem sie all ihr Pulver verschossen hatte, sich in den Winterschlaf begeben. Dass hierbei keine bedeutenden Resultate herauskommen ist klar. Die Wartung der Höhlenbären befindet sich aber in guten Händen.
Was nun endlich die Quellenkommission anbetrifft, so hat diese ihres Amtes gut gewaltet. So weit als möglich, ist jedes Quellgebiet mit einer geräumigen Schutzhütte zum Troste der Forscher versehen. Selbst zu wissenschaftlichen Leistungen wollte sich einmal diese Kommission emporschwingen. Natürlich entstand die lebhafte Diskussion über das Bier und zwar darüber, warum es so heiße. Während nun alles dachte und forschte, dass die Denkerstirnen schier bis in den Nacken hinein sich vergrößerten, da erhob sich der ernsteste der Forscher und sprach die ewig denkwürdigen Wort: „Meine Herren! Was grübeln wir! Solange die Welt steht, hat es Bier gegeben, und ebenso lange trägt es seinem guten Namen. Der Erfinder wird wohl wissen, warum er es so genannt hat. Was kümmert uns das! Jedes Bier, das gut ist, und nicht getrunken wird, hat seinen Beruf verfehlt und darum meine Herren:
Die Wissenschaft unter den Tisch und die Gläser hoch!...Prosit!“
Kein Wunder, dass nach dieser Begrüßungsrede auch die Dülmener begeisterte Anhänger des Borkenberge Vereins wurden.


 

Der Borkenberge-Verein lebt heute noch!
Wie sollte es auch anderes sein! Ein Verein ohne Statuten, ohne Beitrag, ohne Vorstand, ohne Zwang, ohne Standesunterschiede, ohne Abstimmungen. Einzige Richtschnur: „Die Borkenberge müssen gehoben werden! Und wir heben mit!“ 1937 wurde Seppenrade, in dessen Gebiet die Borkenberge größtenteils liegen zum Kreismusterdorf erhoben. Aus diesem Anlass wurde am 5. September ein großes Volksfest gefeiert. Braten eines Bullen am Spieß, Kinderfestzug, Theater auf der Dorfwiese, Heimatausstellung mit dem Riesenammoniten, Feuerwerk und Tanz im Freien.
Als das große Volksfest am Dorfanger am Berge kaum verklungen war, da verkündete am nächsten Morgen ein schellender Ausrufer des Amtsbürgermeisters, dass die Bevölkerung für denselben Nachmittag zu seinem Ausflug in die Borkenberge eingeladen sei. Der Seppenrader Autobus mußte mehrmals fahren, um alle Teilnehmer bis an den Rande der Emkumer Mark, heute nur noch Borkenberge genannt, zu bringen. Von dort wanderten alle Männlein und Weiblein, teilweise Arm in Arm frohgemut zum vereinbarten Treffpunkt am Rande einer weiten Heidefläche bei Könemanns Sandgrube. Schwitzend schleppten Musiker der Lüdinghauser Feuerwehrkapelle die große Pauke durch den tiefen Sand. Auf leichten Federwagen mit Pferdegespann nahte der Marketender. Am Rande eines Kiefernwaldes ließen sich alle in hohen Heidekraut nieder. Zwanglos und ohne jedes Programm entwickelt sich alsbald unter Führung erfahrener Heimatkenner der zünftige Betrieb. Zur Durchforschung der wilden Borkenberge wurde zunächst einige „Expeditionen“ ausgeschickt. Bald kehrten sie mit vollen Händen zurück. Eingehend wurde jedes vielleicht noch so harmlos aussehende Stück erklärt und dann in einem provisorischen Freiluftmuseum zur allgemeinen Besichtigung freigegeben. Volksspiele schlossen sich an. Auch das „Rollen“ wurde nicht vergessen. Den Unkundigen sei verraten, dass es sich dabei darum handelt, zwei Nichtsahnende möglichst verschiedenen Geschlechtes, übereinander einen Abhang hinunter zu rollen. Dann kam auch der Magen zu seinem Recht. Die Reste des Vortage am Spieße gebratenen Bullens wurden aufgebraten und ohne besondere Umstände. Aber mit desto größerem Appetit verzehrt.
Das Wort nahm ein alter Borkenberger: „Liebe Poahlbüörger und Mitbürger! Als ältester Festteilnehmer entbiete ich Gruß und Segen! Seit 41 Jahren wandern alljährlich natur – und heimatbegeisterte Menschen hinaus in die Borkenberge, um sich am Busen der Natur vom grauen Alltag zu erholen. Sie wussten, das Freude alles ist, dass Freude Kraft gibt zu neuer Arbeit. Diese alten Traditionen wollen wir pflegen und hochhalten. Ich erinnere mich noch gut der Expedition vom 17. Januar 1904, an der ich erstmalig teilnehmen durfte. Gestattet mir, dass ich an Hand meiner Aufzeichnungen den Geist längst vergangener Zeiten hier auf historischem Boden wiedererwecke, den Toten zum Gedächtnis, der Lebenden zur Nacheiferung:
„AM RAUCHEN HANG, IN WILDER SCHLUCHT HERRSCHT´DAS GESCHLECHT DER „SIEPEN“, MIT ´ LANZEN- UND MIT SCHWERTER – WUCHT. UND AUCH MIT LANGEN PIEPEN.
DAS DORF EROBERT KÜHN DER STAMM MIT BRAUEN UND MIT BRENNEN, TÄT´S NACH DEM NAMEN SIEPE DANN
STOLZ SEPPENRADE NENNEN. AUS DIESEM EDLEN STAMM SPROSS EIN ZARTES JUNGES BLUT.
DER WILDE KRIEGER, HOCH ZU R OSS, DER WAR DEM MÄGDLEIN GUT. DAS GANZE VOLK, ES LIEBT DAS KIND. UND JAUCHZT UND JUBILIERT. DA HAT DER BORKENBERGE VEREIN DAS MÄGDLEIN ADOPTIERT. GEHT, IHR RIESEN, SEHT IHR ZWERGE: AUGUSTE, DIE TOCHTER DER BORKENBERGE!“
Das Gebirgskind erschien, die Borkenberger jubelten, die Vereinsfahne neigte sich salutierend, der Fahnenweihe Marsch erscholl. Es war ein denkwürdiger Augenblick! Also huldigte ihrer Gebirgstochter eine stattliche Anzahl edler Reden, herbeigeeilt zum Teil aus weiter Ferne, aus Dortmund und gar aus Osterwick, dem gesegneten Lande der Schinken.
„Es zieht der Präsident voran, dem kletternden Verein, und jeder steigt, so hoch er kann. In deas Gebirg hinein“.
Mit Sang und Klang wurden Schutzhütten und Rettungsstationen besucht, in stimmungsvoller Stärke bereit für die Hauptaufgabe des Abends, die Abteufung des Dorfschweines. Es dürfte bekannt sein, dass das Moor durch Jahrtausende hindurch, Tierisches und Menschliches (Seite 5) unverweslich bewahrt. Aus geheimnisvollen Dunkel ertönte Böllerschießen mit Fündigkeits Jubel. Und lichtstrachlend präsentierte sich der gewaltige Bohrturm. Die Maschine stampfte, das Gestänge ächzte. Wird es gelingen, die riesige vorgeschichtliche Schwein glücklich zu Tage zu bringen? Bange Sorge beschlich alle Herzen. Doch herrlicher Erfolg belohnte der Knappen heißes Mühen. Aus dunkler Tiefe erhebt sich das Schwein.
„Ziehet, ziehet, hebt! Es bewegt sich, schwebt! Freude diesem Land bedeute: „ Mettwurst“ sei sein erst Geläute! Doch mit des Geschickes Mächten.....Trischinenbeschauer nahm das Glas und sprach: Haha, das kommt von das, Da hatten sie dich gleich beim Bein, Trichinelein!
Größte Bestürzung! Nun aber trat Herr Kohlwurst auf, der Geheime Oberzwergrat der Borkenberge, welcher als Vertreter der Bergbehörde zur Abnahme des Fundes feierlichst erschienen war, und stellte behördlich fest, dass die Trichine bereits zu Kohle kristallisiert und als bergamtlich versteinerte Trichinose unschädlich sei. So war die trichinesische Frage glücklich gelöst.
Wie es aber auch sein mochte, die Torfschein- Fest- Mett- Fett- Kohl- Flamm- Wurst war großartig und köstlich.
Es sprach selbst der Kreisphnsitus Mit fachverständ´gem Sinn: So eine Wurst mit Spiritus ist schone Medizin.
Sie gab unserem borkenberglichen Vereinshistoriker Veranlassung, sich in erhebendem Rückbick Karls des Großen zu erinnern, wie er in den Borkenbergen von Siepern und Roptonen – nicht Zimbern und Teutonen, wie es in den Geschichtsbüchern heißt, gezwungen worden sei, Reißaus zu nehmen, so dass er, wie einstmals Napoleon seiner Eugenie, seiner kaiserlichen Zanktippe folgendes Kriegsbulletin nach Hause senden musste:
„MIEN KIND, MIEN KIND, WAT HÄW´ICK MIT SCHNUT VERBRANNT, DAT BUORKENIÄRGERLAND, DAT IS MIE NU BEKANNT!“
Der Präsident beschloss, das weihevolle Ereignis der so herrlich gelungenen Abteufung durch Stiftung des Ordens der „Ritter vom Goldenen Torfschein“ für alle Zeiten in würdige Träger wurde aber lediglich der Präsident selbst erkoren und auserwählt und von seinem Volke jubelnd mit der hohen Auszeichnung geschmückt, bestehend aus einem güldener Schwein getragen um den Hals an güldener Kette. Die Diamanten aber zu dem Orden wurden zwei fürnehmen Rittern verliehen. Und sogar manch alter Mann. Hatte noch seine Freude dran. So war die festliche Wurststimmung zur Höhe der Begeisterung gekommen, so dass der wachere Borkenberger sich jenseits von Gut und Böse befand und gar trutziglich sang:
„UND STELLT SICH MORGEN KATER EIN BON HEUT´GER WURST MIT DURST , SO SOLL AUCH DIESES WURST UNS EIN, JA, ALLES – ALLES WURST.“
Nichts aber währet ewig. Auch der schönen Feier vom 17. Januar 1904 schlug die Stunde des Abschieds.
„EIN JEDES DING, DAS HAT EIN END, DIE WURST HAT DEREN ZWEI, EIN KLUGER MANN, DER DAS ERKENNT, HOCH LEB´DIE WURSTEREI.“
Ein dreifaches Hoch schallte über die in Ausführungen des alten Borkenberger Indianers. Wie ein Gruß aus längst vergangener humorvoller Zeit klangen seine Worte. Ein Waldhornsolo gab dieser melancholischen Stimmung Ausdruck und die schönen Akkorde des Weserliedes erfüllten die sanften Hügeln der stillen Heide:
„FAHR WOHL, FAHR WOHL, O DU SELIGE ZEIT! FAHRT WOHL IHR TRÄUM DER LIEBE“.